NOX – WOLFSNÄCHTE

NOX – WOLFSNÄCHTE

Sternensaal Wohlen. Saisoneröffnung. Schulpremière des neuesten luki-ju Stückes mit Thomy Truttmann. Das ist eine vielversprechende Affiche. Und ich darf dabei sein. Es ist Freitag, 16. September. Der Sternensaal füllt sich mit Schulklassen. Auf der Bühne sind dunkel bemalte Stellwände so aufgestellt, dass der Eindruck eines Labyrinths entsteht. Geheimnisvolle Durchgänge und Durchblicke sind zu sehen. Dann ist nur noch ein Harass, vermutlich war da mal eine grosse Mostflasche drin, auf der Bühne.

«Mich kännt fascht niemmer. Wenn ihr i d Schuel gönd, legg ich mis Pyjama a.» Mit solchen Sätzen wird nach und nach klar, dass wir einen Nachtwächter der Securitas vor uns haben. Wenn dann die Profi-Taschenlampe ins Spiel kommt, taucht man vollends  in die Welt von Nachtwächter Lorenz ein.  Diese geheimnis- und spannungsvolle Welt Weiterlesen

Hase und Bär

Zwei Kindergartenklassen warten auf der sonnenbeschienenen Seite der Rathausgasse in Bern vor dem Theater Schlachthaus. Endlich öffnen sich von Innen die Läden des Kellers und die steile Treppe in das Kellergewölbe wird sichtbar. Der Einlass beginnt, die Kinder werden vom Keller verschluckt. Ich folge ihnen und bin gespannt auf die angekündigte Geschichte über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Angstbär und Hasenstark, übers Kranksein und die Kraft der Fantasie. Nach der Première und den ersten öffentlichen Vorstellungen findet heute am 6. Juni die erste Schulvorstellung statt. Weiterlesen

Die No 1 – En Fän isch en Fän isch en Fän

Heute geht es ins Fabriktheater nach Zürich Wollishofen. Die Theatertruppe «GMBH – Produktion» hat zu einer Spielshow eingeladen, an welcher das Publikum aktiv mit dabei ist und wo das Phänomen des Fan-Seins und des Fanens auf die Probe gestellt werden soll. Ich bin an diesem 24. Juli etwas zu früh auf dem Gelände der roten Fabrik und geniesse auf einer Parkbank am Zürichseeufer den knusprigen Morgen.

Bereits beim Einlass in den Saal wird klar, dass man als Publikum auch gleichzeitig eine Rolle zu spielen hat. Alle bekommen entweder eine blaue oder orange Abstimmungskarte. Entsprechend der Farbe nimmt man auf der blauen oder orangen Fan-Tribüne Platz. Die beiden Fangruppen, je ca. 50 Personen, sitzen einander gegenüber. Dazwischen befindet sich die Spielfläche. Ich kann meine Abstimmungskarte als überzähliger Orange-Fan wieder abgeben und darf ‚unabhängiger‘ Beobachter sein. Alle diese Vorbereitungen vermitteln mir das Gefühl, dass Wert darauf gelegt wird, ein genaues und gerechtes Setting einzurichten. Weiterlesen

Sehnsucht nach Anerkennung II

IMG_4896_komp.IMG_4891_komp

Im Rahmen einer Impulsveranstaltung des PMZ der PH Luzern konnten das Zentrum Theaterpädagogik zusammen mit dem Zentrum Menschenrechtsbildung unter der Leitung von Ursula Ulrich und Thomas Kirchschläger am 29.6.2016 der „Sehnsucht nach Anerkennung“ nachgehen.

Die Sehnsucht nach Anerkennung stellt für Kinder in ihrer Kindheit ein zentrales und entscheidendes Bedürfnis dar. Anerkennung, verstanden als Grundlage der Interaktion zwischen Menschen, spielt in der Erfahrung der Kinder über sich selbst und deren Mitmenschen als Subjekte von und mit Verantwortung eine grosse Rolle. Entsprechend ist die Qualität pädagogischer Beziehungen sehr wichtig. Dabei können Aspekte der ästhetischen Bildung, welche ein kreatives Agieren im Anerkennungsverhältnis voraussetzen, ein zentrales Bildungsmittel sein. Aktuelle Erkenntnisse aus der Theaterpädagogik werden im künstlerischen Tätigsein in direkter Weise erprobt. Die darunter liegende Haltung wird anhand des eigenen künstlerischen Schaffens in Verbindung gebracht mit der Grundhaltung der Anerkennungspädagogik und in direkter Weise mit den Inhalten der Kinderrechte verknüpft.

Im Modus Ästhetischer Forschung näherten sich die Kursteilnehmerinnen unter Einbezug verschiedener Zugängen dem Begriff Anerkennung. Kurze Sequenzen aus einem Fachtext, lebensweltliche Bezüge sowie eine gestalterische Auseinandersetzung mit Büchern und Klebeband spielten dabei eine zentrale Rolle. Das geschaffene Setting (offener Kreativauftrag ohne Zeitbeschränkung oder Nützlichkeitserwartung) eröffnete einen Raum, implizitem Handlungswissen nachzugehen und durch die individuelle Auseinandersetzung mit dem Begriff der Anerkennung auf verschiedenen Ebenen zu kollektiven Erfahrungen und Erkenntnissen zu gelangen.

IMG_4878_kompIMG_4879_kompIMG_4877_kompIMG_4880_komp

Im Anschluss an die gestalterische Auseinandersetzung liessen sich aus diesem kurzen „Forschungssetting“ im gemeinsamen Reflexionsgespräch Indikatoren ableiten, welche ein Handeln in Anerkennungsverhältnissen fassbar machen.

IMG_4876_kompDas Handeln in Anerkennungsverhältnissen kann so beschrieben werden, dass alle an Bildungsprozessen beteiligten Individuen als Subjekte erkannt und anerkannt werden; ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihre Empfindungen sind relevant und werden durch Beziehungen produktiv und in einen respektvollen Dialog einbezogen. Dabei werden den Individuen Zugänge und Handlungsräume zu möglichen anderen Selbst- und Weltverständnissen eröffnet.

IMG_4870_komp

 

Wenn Verschiedenheit und Veränderbarkeit als grundlegende Aspekte einer anerkennenden Bildung mitverhandelt werden, kann zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Identifikation und Zugehörigkeit in Bezug auf sich, die Mit- und Umwelt angeregt werden. Dabei spielt auch ein Hinterfragen der stark geprägten Begriffe Wirklichkeit, Möglichkeit und Wahrheit eine wichtige Rolle. Ergänzt durch die Chancen, partizipative und soziale Verfahren, den Einbezug einer Vielfalt von Ausdrucksformen und einen sensibilisierten Umgang mit Sprache ergänzend in den Fokus rücken, wird Anerkennung in Bezug auf die pädagogische Praxis zur Aufforderung auf zwei Ebenen.

 

Einerseits fragt sie nach Bildungssettings, die Anerkennung zulassen. Diesbezüglich können beispielsweise Methodenvielfalt sowie aus den Fähigkeiten, dem Wissen und den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler geschaffene Formate pädagogischen Handelns in Anerkennungsverhältnissen wegweisend sein. IMG_4881_kompIMG_4883_komp

 

Andererseits ist ein permanentes Hinterfragen von Denk- und Handlungsweisen im Sinne stetig veränderbarer Konstruktionen gefordert.

Dabei spielen das Überwinden von Begrenzungen und das Hinterfragen von Gewohnheiten, Zuschreibungen oder Bewertungen, die durch persönliche Haltungen geschaffen sind, eine zentrale Rolle. Und nicht zuletzt wurde offensichtlich, dass das Erfahren und Ermöglichen von Anerkennungsverhältnissen zudem einen neuen Blick auf den Umgang mit der Zeit sowie mit wertfreien und zweckfreien Räumen wirft.

 

 

 

 

 

David Copperfield

Das Weltalm Theater Bern hat aus dem umfangreichen Roman «David Copperfield» von Charles Dickens ein berührendes Theaterstück auf die Bühne gebracht. Am 23. März bot sich für mich die Gelegenheit, im Theater Tuchlaube eine Schulvorstellung zu besuchen. Ja ich gestehe es: Vor der Vorstellung genehmigte ich im Café Tuchlaube meine geliebte Schale. Weiterlesen

HERR MACBETH ODER DIE SCHULE DES BÖSEN

Vom Wetter her ist der 11. Mai kein lieblicher Maientag. Es bläst ein kalter Wind und ist nicht sicher ob es demnächst anfängt zu regnen. Heute fahre ich nach Basel ins Vorstadttheater. Die Affiche passt. Sie verspricht Wüstes und Böses. Ich bin gespannt. Ein erster Blick auf die Bühne lässt mich eintauchen in eine abgewrackte Welt. Ein kugelförmiges Gebilde liegt auf dem Bühnenboden. Es erinnert an eine Tauchvorrichtung oder eine Weltraumkapsel. Ich frage mich, ob sie soeben aufgetaucht oder aus dem All abgestürzt ist? Befinden wir uns unter Wasser oder auf einem Schrottplatz im Niemandsland? Bald schon tauchen aus dem Innern der Kugel vier Hexengestalten auf und schon ist das Publikum mitten im Reich des Bösen. Weiterlesen

HANNAH im Glück

Was macht dich glücklich? Wonach hast du Sehnsucht? Wie soll man leben, um glücklich zu sein?
In dichtem Gedränge vor der Kasse im Kleintheater Luzern sehe ich, wie Kinder auf bereitliegenden Karten ihre Sehnsüchte bildhaft festzuhalten versuchen. Es ist Sonntag, 24. April kurz vor 11:00 Uhr. Angesagt ist eine Premiere vom luki-ju theater luzern.
Weiterlesen

Ästhetische Forschung und Praxisentwicklung

BAKÄM-Tagung Berlin

15. und 16. Februar 2016

Die diesjährige BAKÄM-Tagung widmete sich dem Thema ästhetische Forschung und Praxisentwicklung. Dabei standen ästhetische Erfahrungen, deren Produktivität und der Austausch darüber im Mittelpunkt. Diskussionsrunden, Präsentationen und praktisch angelegte Laborsituationen wechselten sich ab. Im Zentrum stand somit das wechselwirkende Handeln zwischen Austausch und persönlichen Erfahrungen.

IMG_0094  IMG_0099

Im Labor III „Spuren einer Denkfigur in ästhetischen Expeditionen“ konnten die Klassenlehrperson der Werkstatt 3 und ich gemeinsam die Erkenntnisse aus der „Werkstatt-Trilogie“ (vgl. Blog) in Form eines Forschungslabors zur Diskussion stellen. Dabei wurde mittels ästhetischer Forschung der aus der zweiten Forschungswerkstatt „Rollenkids“ hervorgegangenen Denkfigur des Anerkennungsverhältnisses nachgegangen.  Die sinnlich-emotionalen Gestaltungsfreiräume, wurden durch das Material „alte Zeitungen und Klebeband“ geleitet. Mittels dieser Materialvorgabe konnte die Denkfigur, welcher das Überschreiten von Grenzen, das Hinterfragen von Gewohntem also auch das Entdecken von Ungeahntem inhärent ist, auf unterschiedlichste Weise und durch individuelle Zugänge erfahrbar in den Raum gebracht werden.

 

IMG_0072“ Symbol Kugel:

  • aus einem Element
  • erst aus der Summe heraus möglich“.

IMG_0007 Kopie

Diese Erkenntnis aus dem Labor erinnert an das Zitat von Annedore Prengel, „Gleichheit verstanden als Gleichwertigkeit von Differierendem“, und spricht für eine Erkenntnis in Bezug auf Heterogenität.

 

IMG_0052Ausgehend von diesen gesammelten Erfahrungen und den unterschiedlichsten Zugängen zu dieser Denkfigur (handelnd, denkend, konstruierend, experimentierend, verwerfend, …) wurde aus dem „Eigenen im Anderen“ kollektive Erkenntnisse herausgearbeitet. Dabei stellte sich die Frage, welche Handlungsfelder die Denkfigur während des Prozesses entweder bei den Gestalter_Innen / Forscher_Innen auslöste oder aber welche Erkenntnisse durch das gemeinsame Agieren im Raum entstanden, während oder nach der Phase des Gestaltens und Experimentierens. Die Erfahrung der Transformation durch das „Andere“, das „Kollektiv“, wurde auf folgendem Plakat erkennbar:

IMG_0003 Kopie

 

Ich bin davon überzeugt, dass die individuellen Prozesse der Subjektbildung sich dadurch auszeichnen, dass auf der Grundlage von rationalem Abwägen von Motiven, Mitteln, Zwecken und Folgen einer Handlung (oder eines Unterlassens) mögliche Wege, Folgen oder auch neue Optionen – immer unter Einbezug der eigenen Befindlichkeit – erfahren oder verwerfen zu können.

 

 

IMG_0111

“ (Die Puppe) … hat sich entpuppt – beim Machen gezeigt, durch Tun entwickelt, und (ges? ents?)chärft“.

IMG_0009 Kopie

Dazu fallen mir die Worte von Jörg Zirfas ein: „Die ästhetische Erfahrung lässt am Bewussten das Unbewusste erahnen, am Begreiflichen das Unbegreifliche und am Manifesten das Latente spürbar werden.“

IMG_0010 Kopie

Weiter wurden Machtverhältnisse, Zeichenhaftigkeit, kalkulierbare und kontingente Handlungsräume sowie Dekonstruktion der Konstruktion angesprochen und im Zusammenhang mit ästhetischer Bildung diskutiert.

Bilder: Claudia Conte

Ästhetische Expedition 3 „Bücherkids“

„Spuren einer Denkfigur“

Forschungswerkstatt der „Werkstatt-Trilogie“ mit den „Bücherkids“

einer 4. Primarklasse aus Luzern

Seit 2012 führt das ZTP das Forschungsprojekt «Werkstatt-Trilogie» durch. Mit den „Bücherkids“ wird das Forschungsprojekt abgerundet. Dieses wurde August bis Dezember 2015 mit einer 4. Klasse und deren Lehrperson (Luzern) sowie in Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsschwerpunkt ESP Heterogenität und der Abteilung F&E der PH Luzern durchgeführt und mit Methoden der Aktionsforschung befragt.

IMG_0068_14.10.2015

Dabei wurde kunstspartenübergreifend zum Thema Glück und Unglück philosophiert, gespielt, gestaltet, gemalt, … Basierend auf den Erkenntnissen der vorangehenden Werkstätten „Kistenkids“ und „Rollenkids“ wurde während des theatral-performativen Gestaltungsprozesses der Frage nachgegangen, welche „Spuren“ durch einen sensibilisierten Umgang in Anerkennungsverhältnissen (vgl A. Scherr 2004) erkennbar werden.

Ein erster Einblick…

 

  IMG_0074probe_14.1.16 2       IMG_0245_14.10.2015

                                                                                     IMG_0062_14.10.2015

Zur Zeit werden die kollektiven Erkenntnisse aus dem praktischen Prozess evaluiert und diskutiert, um in Bezug auf die übergeordnete Haltung der Anerkennung Handlungsfelder zu definieren, welche aus der Praxis abgeleitet und als leitenden Kategorien wiederum in die Praxis einfliessen können. Die entstandene Bühnenproduktion wird an den die Schultheatertagen im Juni 2016 nochmals gespielt.

IMG_0156aufführung_14.1.16_abend

Die Erkenntnisse werden voraussichtlich im Sommer 2016 in Form eines abschliessenden Evaluationsberichtes sowie auf einer Webseite öffentlich gemacht.

Bilder: Claudia Conte

In einer Winternacht

In Biel/Bienne ist das «Théâtre de la Grenouille» beheimatet und produziert seit 30 Jahren zweisprachige Theaterstücke. Die neue Produktion «Nuit de neige» richtet sich an ein junges Publikum ab 5 Jahren. Autor des Stückes ist Charles Way. Gespielt wird eine Fassung vom ‚Grenouille‘ in der deutsch, französisch und englisch gesprochen wird. Weiterlesen