Ästhetische Expedition 01_30

SPUREN TRANSFORMIEREN

Theaterästhetischen Produktion

Am 27. September 2017 haben sich 15 interessierte Lehrpersonen aus der Zentralschweiz im «Basiscamp» der Expedition01_30 getroffen. Diese spielten alle mit dem Gedanken, mit ihrer Klasse auf Expedition zu gehen und im Sinne eines theaterästhetischen Gemeinschaftswerkes eine Theaterproduktion zu realisieren. Um die theaterästhetischen Prozesse sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf die Arbeitsweise anzuregen, wurden die Lehrpersonen an die gemeinsame thematische Ausgangslage «Spuren» herangeführt und als Verbindung zur Lebenswelt oder als Fantasiegenerator, als Expeditionsausrichtung oder Sammelprinzip, direkt bespielt.

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Dabei wurde auch das neue Format «Theaterästhetische Expeditionen» vorgestellt und die Möglichkeiten für eine praktische Umsetzung im Schulalltag handelnd erprobt.   IMG_9913

Vielleicht verleiten die Spuren zur Suche, führen zu Entdeckungen, machen Fundstücke sichtbar, decken möglicherweise etwas Unentdecktes auf, ergeben eine neue Sicht auf das Unbekannte. Gleich den Entdeckungen auf einer Expedition. Wie auch immer und so oder so – Spuren verlaufen entlang einer Zeitachse. Der Spur geht etwas voraus, das eine Spur hinterlässt. Und dieses «etwas» hinterlässt die Spur, die aussagt, wer da war oder was da war, was man vielleicht erahnt oder was war oder wahr ist.

Was sind „Theaterästhetische Expeditionen“?

Eigens für unser Jubiläum wurde, ausgehend von den Erfahrungen und Erkenntnissen aus den „Ästhetischen Werkstatt-Expeditionen 1-5“ (2012-2016) (vgl. unten) ein neues theaterästhetisches Vermittlungsformat entwickelt.  Die «Theaterästhetischen Expeditionen». Diese kombinieren in acht unterschiedlichen Elementen eine ästhetische Spurensuche mit Spiel- und Gestaltungsformen des Theaters. Dabei begegnen und begünstigen sich forschende und künstlerische  Prozesse, die sich in allen Schulfächern und auf allen Schulstufen anwenden lassen. Es wird beobachtet, entdeckt, gesammelt, dokumentiert, befragt, experimentiert, konstruiert, installiert, gestaltet, kombiniert, komponiert. Relevant hierfür scheint ein lustvoller Entdeckergeist, der das Unplanbare zur Ausgangslage nimmt.

 

Mit den Expeditionselementen

„GEWOHNTE WELT“ / „UNRUHE“ / „RUF DES ABENTEUERS“ / „SPUREN LEGEN“ /“FORSCHUNGSINSTRUMENT“ / „EXPERIMENTIEREN UND ERFINDEN“ / „VERWANDELN“ / „GEWOHNTER RUF DES UNBEKANNTEN“

können sowohl forschende als auch theaterästhetische Prozesse initiiert, kombiniert und entworfen werden. Sie ermöglichen den Spielleitenden, die jeweiligen Elemente mit eigenen Inhalten und Verfahrensweisen zielstufenadäquat auszugestalten. Dabei können diese Elemente sowohl chronologisch als auch in experimenteller Weise in immer wieder neuen Kombinationen und Reihenfolgen versucht und erprobt werden. Die Auswahl und Kombinationen der einzelnen Elemente stehen  immer auch im Zusammenhang mit Vorlieben, Ressourcen oder dem Alter der Spielenden.

Eine Begleitbroschüre und individuelle Logbücher für Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schüler unterstützen die Expeditionen mit Hintergrundinformationen und Reflexionsinputs.

«SPUREN – Theaterästhetische Expeditionen»

Theaterpädagogik in der und über die Lernwerkstatt hinaus.

Zu unserem Jubiläum «30 Jahre Luzerner Schultheatertage» gibt es viele Möglichkeiten, Theater hautnah zu erleben. Mit 30 verschiedenen Expeditionen eröffnen wir in Zusammenarbeit mit der Lernwerkstatt der PH Luzern neue theaterästhetische Spiel- und Experimentierräume. Dabei verfolgen wir SPUREN, welche die Weiterentwicklung neuer Formate von Theater im Umfeld von Schule in den Fokus nehmen und neue Zugänge und Arbeitsweisen für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrpersonen ermöglichen.

30 Jahre Schultheatertage hinterlassen Spuren. Spuren, die auf das Vergangene schliessen lassen. Spuren, die in eine neue Richtung weisen. Spuren, die es zu lesen gilt, um die Spurensuche weiterzuführen. Weiter. Spuren als Fundstücke. Erinnerungen. Wenn auch nur eine Spur davon. Denn sie kommen und gehen. Sie begegnen uns und wir hinterlassen sie. Vor uns und hinter uns. Also auch davor und danach. Vielleicht als einschneidende Erlebnisse. Sie hinterlassen einen Abdruck, einen Eindruck und sind Ausdruck von dem, was vorher schon da war. Geschichten eben. Lebensgeschichten. Lebendige Geschichten zwischen vorher und nachher.

Dabei begeben wir uns auf theaterästhetische Expeditionen um unbekanntes, gar unerforschtes Terrain zu beschreiten. Wir unterbrechen Gewohnheiten und suchen Möglichkeiten. Das Unvorhergesehene bekommt eine neue Aufmerksamkeit und die Vielfalt Raum.

Wohin die Spuren wohl führen?

Im Spannungsfeld zwischen dem «Schon-Wissen» und «Noch-Herausfinden» bekommt das Suchen, Entdecken und Verfolgen individueller Spiel- und Gestaltungsspuren eine neue Bedeutung, indem die Räume zwischen schulischem und künstlerischem Arbeiten erkundet werden.

Zwischen September 2017 und Juni 2018 werden wir auf den Spuren von 30 unterschiedlichen,  theaterästhetischen Expeditionen wie selbstentwickelte theaterästhetische Produktionen, Workshops oder Theaterwochen für alle Stufen unterwegs sein.

Bruno im Glück

 

von und mit Jörg Bohn

 

Am Zukunftstag sitze ich mit zwei 5. Klässlerinnen und einem Mädchen aus der 6. Klasse gespannt im Thik Baden. Der Raum ist gefüllt mit Kindern aus den 1. Klassen des Städtchens.

Bruno erzählt von seinem Glück, als Kind so viel Zeit bei und mit seinen Grosseltern verbracht zu haben. Er nimmt uns mit auf den Estrich, wo viel Wunderbares passiert – manchmal gar etwas gruselig, so dass die kleinen Kinder lustvoll schreien. Auch „meinen“ drei Grossen macht das Zuschauen sichtlich Spass. Als Höhepunkte beschreiben sie die vielen, schon fast magischen, mit Licht erzeugten Bilder. So huschten Tiere durch den Estrich und sogar ein Mädchen schlich sich in das Versteck und die Herzen von Bruno und seinem Publikum.

Nach einer knappen Stunde Sehvergnügen verliessen wir glücklich das Theater und sinnierten auf der Heimreise, was nun wohl genau Brunos Glück war und unser eigenes ist.

 

Ping Pong

Mit einer Kinderjury, die diesmal aus drei Jungs im Alter von 10 bis 14 Jahren bestand, durften wir in Reinach an die Premiere des neuen Stückes vom Theater salto&mortale. Die Geschichte erzählt von Jex, der als Flüchtling in eine Schweizer Schule kommt, Freunde findet, sich integriert und wieder in sein Heimatland zurück geschafft wird. Mit viel Witz, Humor, Sorgfalt, und Präzision werden die Begegnungen zwischen dem Fremden und dem Bekannten gezeigt. So darf das Publikum nicht nur erleben, wie es Jex auf Besuch bei der Schweizer Familie ergeht, sondern auch wie sein Schweizer Freund in der ausländischen Familie das eine und andere Fettnäpfchen betritt.

Eindrücklich, wie es dem Spiel gelang, nicht wertend und trotzdem emotional die verschiedenen Wünsche und Bedürfnisse der Figuren zu portieren! Das reduzierte und doch verspielte Bühnenbild unterstützte dies und zählte einer der Jury-Jungs danach auch als Highlight auf. So blieben die drei Jungs auf inhaltlicher wie auch visueller Ebene bis zum Ende fasziniert und aufmerksam.

Beeindruckt vom Gesehenen schilderten sie auf der Rückreise ihre Interpretationen des Stücks genauso, wie ihre realen Erlebnisse mit Klassenkameraden.

 

Die zweite Prinzessin

Theater Katerland 

Im Kleintheater sassen an diesem Sonntag ganz viele kleine Kinder mit ihren Eltern. Das Stück für ein Publikum ab 4 Jahren fesselte schon vor dem eigentlichen Start. Auf der Bühne standen Geschenke in allen Grössen und liessen erahnen, dass die eine oder andere Schachtel auch als Versteck geeignet wäre ..! 

Die Geschichte ist so einfach oder genauso kompliziert wie es eben ist, wenn man kein Einzelkind ist. So lernen wir eine Prinzessin kennen, die gerne mal die Grosse, die Erste, die Einzige wäre. Und wir lernen einen Butler kennen, der ein grosses Herz hat und für den die kleine Prinzessin durchaus auch die Einzige, die Erste und eine Grosse ist.

Die wilden Phantasien der zweiten Prinzessin – wie sie die zu den Vorteilen der ersten kommen könnte – werden liebevoll, lustvoll und so schön unmoralisch ausprobiert.

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht und im Herzen verliess ich das Theater und freute mich, dass ich einen grossen Bruder und eine kleine Schwester habe; mit all seinen Vor- und Nachteilen!

 

Kulturelle Bildung dreifach kombiniert

 

Theaterabend Di. 4. April: «Das Herz eines Boxers» im Schulhaus Tribschen

Einmal pro Jahr mit der Klasse ins Theater – das seit seit vielen Jahren ein Ziel, welches das Zentrum Theaterpädagogik als Dienstleistungsabteilung der Pädagogischen Hochschule Luzern verfolgt, um kulturelle Bildung in direkter Weise erfahrbar zu machen. Dabei unterstützt das Zentrum Theaterpädagogik Schulen und Lehrpersonen, um aus der Vielfalt professioneller Theaterstücke für ihre Zielstufe ein ideales Stück zu finden. Ein grosses Anliegen ist dabei auch die Vor- und Nachbereitung des Theaterbesuches. Um diesem Anliegen gewinnbringend und zukunftsorientiert zu begegnen, konnte das Zentrum Theaterpädagogik in Zusammenarbeit mit der Schule Tribschen und der Fachschaft Deutsch der Pädagogischen Hochschule ein neues Projekt entwickeln, das kulturelle Bildung gleich dreifach kombiniert und in seiner Art und Weise einzigartig ist – ein Gastspielbesuch direkt im Schulhaus. Weiterlesen

Ästhetische Werktsatt-Expedition 5 „Kartonkids“

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Mit den „Kartonkids“ startete im März 2017 die fünfte Ästhetische Werkstatt-Expedition. Ausgehend von Kartonkisten und Klebeband begegneten die Kindergartenkinder im Alter von 4-6 Jahren mit grosser Neugierde und Entdeckungslust dem multifunktionalen Material.
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Im leergeräumten Kindergarten bespielten die jungen Expeditionsteilnehmerinnen schon bald die leergeglaubte Burg, spezielle Autos wurden konstruiert, Unterschlupf für Tiere gebaut und zweckmässige Objekte wie i-Pad, Fotoapparate, Handys und Hundeknochen aus Kartonfetzen und Klebeband in die entstandenen Geschichten eingebaut. Während der Phase des Konstruierens zeigten sich in ersten spontan entstandenen Interaktionen bereits interessante Themenfelder, welche im weiteren Spielprozess als inhaltliche Ausgangspunkte weiterverfolgt werden können.

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Grosser Bruder

Einzig eine grosse Grünabfall-Mülltonne steht auf der ansonsten leeren Bühne. Wohlgekleidet treten eine Frau und ein Mann dazu. Anfänglich ist ihre Beziehung zueinander unklar. Nach und nach erfährt das Publikum, dass sie wohl Geschwister sind. Episoden aus der Kleinkindzeit, Einblicke in die Schul- bis Jugendzeit lassen die ambivalente Geschwisterliebe immer wieder in neuen Facetten erahnen. Rivalität, Hass und Liebe, Sehnsüchte, Ängste und Bedürfnisse der Geschwister werden in eindrücklichen Bildern, viel physischem aufeinander Treffen und miteinander ringen, sicht- und spürbar. Mit wenig Text und toller Bildsprache wurde mir klar, was diese Geschwister eint und was sie trennt. Berührt und über meine eigenen Geschwisterbeziehungen nachdenkend verliess ich nach einer Stunde die Tuchlaube.

Unterwegs mit der Kinder- und Jugendjury beim Visionieren

Seit Ende Dezember 2016 visionieren wir die Theaterstücke für unsere Gastspielreihen Theaterperlen und Theaterlenz zusammen mit unserer Kinder- und Jugendjury, die sich jeweils aus zwei bis vier Kindern oder Jugendlichen zusammensetzt. Im Anschluss an die jeweils besuchten Stücke wird zusammen mit ihnen über das Stück ausgetauscht. Ihre Sicht auf die Theaterstücke, Überlegungen und Fragen rücken wir für diesen Austausch ins Zentrum. Dabei ist es uns wichtig, gemeinsam mit der Kinder- und Jugendjury nach und nach einen Katalog zusammenzustellen, mit welchem die Diskussion in partizipativem Verhältnis stattfinden und die Beobachtungskriterien für die gemeinsame Diskussion laufend erweitert und ergänzt werden kann. Zudem versuchen wir, der Jury nach dem Besuch der Theaterstücke eine Begegnung mit den Schauspielerinnen und Schauspieler, der Regie oder der Dramaturgie zu ermöglichen und damit einen Dialog in unmittelbarer „Stücknähe“ zu ermöglichen

Für die Stimmen der Jury soll künftig bei den hier veröffentlichten Blogbeiträgen unter dem Label „Statement Kinder- und Jugendjury“ Platz eingeräumt werden. Wir sind überzeugt davon, dass sich dadurch der Blick auf die besuchten Theaterstücke zusätzlich um interessante Statements erweitert.