Ästhetische Expedition 5 „Kartonkids“

Mit den „Kartonkids“ startete im März 2017 die fünfte Ästhetische Expedition. Ausgehend von Kartonkisten und Klebeband begegneten die Kindergartenkinder im Alter von 4-6 Jahren mit grosser Neugierde und Entdeckungslust dem multifunktionalen Material. Im leergeräumten Kindergarten bespielten die jungen Expeditionsteilnehmerinnen schon bald die leergeglaubte Burg, spezielle Autos wurden konstruiert, Unterschlupf für Tiere gebaut und zweckmässige Objekte wie i-Pad, Fotoapparate, Handys und Hundeknochen aus Kartonfetzen und Klebeband in die entstandenen Geschichten eingebaut.

Während der Phase des Konstruierens zeigten sich in ersten spontan entstandenen Interaktionen bereits interessante Themenfelder.

 

Grosser Bruder

Einzig eine grosse Grünabfall-Mülltonne steht auf der ansonsten leeren Bühne. Wohlgekleidet treten eine Frau und ein Mann dazu. Anfänglich ist ihre Beziehung zueinander unklar. Nach und nach erfährt das Publikum, dass sie wohl Geschwister sind. Episoden aus der Kleinkindzeit, Einblicke in die Schul- bis Jugendzeit lassen die ambivalente Geschwisterliebe immer wieder in neuen Facetten erahnen. Rivalität, Hass und Liebe, Sehnsüchte, Ängste und Bedürfnisse der Geschwister werden in eindrücklichen Bildern, viel physischem aufeinander Treffen und miteinander ringen, sicht- und spürbar. Mit wenig Text und toller Bildsprache wurde mir klar, was diese Geschwister eint und was sie trennt. Berührt und über meine eigenen Geschwisterbeziehungen nachdenkend verliess ich nach einer Stunde die Tuchlaube.

Unterwegs mit der Kinder- und Jugendjury beim Visionieren

Seit Ende Dezember 2016 visionieren wir die Theaterstücke für unsere Gastspielreihen Theaterperlen und Theaterlenz zusammen mit unserer Kinder- und Jugendjury, die sich jeweils aus zwei bis vier Kindern oder Jugendlichen zusammensetzt. Im Anschluss an die jeweils besuchten Stücke wird zusammen mit ihnen über das Stück ausgetauscht. Ihre Sicht auf die Theaterstücke, Überlegungen und Fragen rücken wir für diesen Austausch ins Zentrum. Dabei ist es uns wichtig, gemeinsam mit der Kinder- und Jugendjury nach und nach einen Katalog zusammenzustellen, mit welchem die Diskussion in partizipativem Verhältnis stattfinden und die Beobachtungskriterien für die gemeinsame Diskussion laufend erweitert und ergänzt werden kann. Zudem versuchen wir, der Jury nach dem Besuch der Theaterstücke eine Begegnung mit den Schauspielerinnen und Schauspieler, der Regie oder der Dramaturgie zu ermöglichen und damit einen Dialog in unmittelbarer „Stücknähe“ zu ermöglichen

Für die Stimmen der Jury soll künftig bei den hier veröffentlichten Blogbeiträgen unter dem Label „Statement Kinder- und Jugendjury“ Platz eingeräumt werden. Wir sind überzeugt davon, dass sich dadurch der Blick auf die besuchten Theaterstücke zusätzlich um interessante Statements erweitert.

Kunstspartenübergreifend arbeiten

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FOKUS

Am 25.1.17 lud das Zentrum Theaterpädagogik zur Fokusveranstaltung „Kunstspartenübergreifend arbeiten“ ein.  Ausgangslage war ein offener Auftrag an die zehn Lehrpersonen – und hierfür bereitgestelltes Material: Papierrollen und Klebeband. Die Frage, die der darauf folgenden ästhetischen Kurz-Expedition vorausging, verband fortan die Spielenden im gemeinsamen ästhetischen Forschungsprozess:

„Was macht das Material mit mir? Was mache ich mit dem Material?“                                blog bild inside

Ausgehend von diesem Gestaltungsimpuls entstanden in unterschiedlichen und wechselnden Sozialformen zahlreiche Gestaltungsfelder, die individuelle Vorlieben, Fähigkeiten und Interesse in Form von bewegtem Gestalten, bildnerischem Gestalten, technischem Gestalten, musikalischem Gestalten oder szenischem Gestalten sichtbar und hörbar machten. Eindrücklich liess sich beobachten, dass eine stille und grosse Konzentration den Raum erfüllte und Worte vorerst wegblieben. Sie kamen später durch Spielideen für das szenische Spiel wieder in den Raum.

Fundstücke

Inspiriert und aufmerksam auf andere Zugänge wurde das Hauptaugenmerk im Anschluss auf Assoziationen gelegt, welche die entstandenen Fundstücke auslösten. Die Grenzen zwischen den einzelnen Gestalterinnen verschwanden. Die Spielenden suchten in Form von Titelsuche, Beschreibungen, Interpretationen und Assoziationen eigene Präsentationen der Kunstwerke, welche in Form gezeichneter oder beschriebener Träume der Objekte in einem Frage- und Antwortspiel reflektiert wurden. Dabei entstanden Geschichten. Neue Geschichten.

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Spielstücke

Ausgehend von den Fundstücken liessen sich individuelle Spielstücke entwickeln, welche wiederum im Kontext spartenübergreifender Impulse weiterentwickelt werden konnten. Hierfür erprobten wir die Geheimnisse der Wunschskulptur im Museum, um zu Inhalten zu kommen. Wir versuchten Rhythmen und kurze Rap, mit“ Stop and go“ kombiniert, wir zeichneten Comics aus den Geheimnissen heraus abgeleitet… was wiederum zum Spiel verleiten mochte… Der hier entstandene Prozess entwickelte sich aus dem Geben und Nehmen von entstandenen, sichtbar und hörbar gemachten Ideen.

In der anschliessenden Reflexionsphase wurde ausgetauscht darüber, dass solche Gestaltungseinheiten in direkter Weise Informationen über die Gruppe, die Vorlieben, persönliche Themen und Ressourcen sichtbar und hörbar machen. Weiter wurde deutlich, dass diese Verfahrensweisen Möglichkeiten eröffnen, der Diversität einer jeden Gruppe zu begegnen und ästhetische Erfahrungen zu begünstigen, welche über einen bewussten Prozess der Ausgestaltung zu Inszenierungsideen verführen können und gleichzeitig „theatrale Zeichen“ zentral werden.

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Material

Dabei stellte sich auch die Frage nach der Auswahl des Materials:

„Welche Materialien nutze ich, damit sie Teil des theaterästhetischen Prozesses werden können, und zugleich eine performative Komponente darstellen?“

„Welche eignen sich für diese Phase des Experimentierens, welche zum Gestalten?“

Welche Materialien ermöglichen überhaupt Experimente?“

Im Austausch sammelten wir Beispiele wie Papierrollen, Karton, Zeitungen, Schnur, WC-Papierrollen, Packpapier, Holzklötzli, Plastikrollen, Plastikfolien, …

Fazit

Die Ideen, auch die der anderen, also alle und frei kombiniert – sie machen etwas mit mir! Und ich, ich mache etwas mit ihnen!

Spring doch!

Es wird dunkel im Theaterraum. Fast dunkel. Geheimnisvoll bleibt ein Licht, das den Weg durch die milchige Beschaffenheit der Wasserkanister sucht. Ich werde aufmerksam auf die feinen Wellenbewegungen des Wassers – in den Kanistern drin. Es bewegt  sich in eigener Weise. Feine Bewegungen. Sie ergeben sich aus Raum und Widerstand. Und den Möglichkeiten, die sich auf der Suche nach neuen Wegen eröffnen. Zudem Klänge. Geräusche, die mehr und mehr an die Geräuschkulisse der als Kind erlebten sommerlichen Ausflüge in die Badi erinnern.

Und dabei finde ich mich in einer eigens erschaffenen Bilderwelt wieder. In der Turnhalle, auf dem Sprungturm in der Badi, zu Hause im Wohnzimmer, im Bus, in der Umkleidekabine … Dabei treffe ich, geschaffen durch die individuelle Vorstellungskraft, auf die Klassenkameraden, die Mutter, den Fahrgast im Bus, die Frau in der Badi, den Angst einflössenden Bademeister. Weiterlesen

THEATERLUFT

 THEATERLUFT

Von Ursula Ulrich und Regina Wurster

Eine Vielfalt möglicher Spiel- und Verfahrensweisen in theaterästhetischen Prozessen.

SPIELEN – ERFINDEN – GESTALTEN – KOMPONIEREN

Wenn Sie das theaterpädagogische Lehr- und Lernmittel «THEATERLUFT» auffächern, begegnet Ihnen eine Vielfalt von Spielweisen. Diese praxisorientierte Sammlung nimmt das Potenzial der Diversität einer spielenden Gruppe als Ausgangslage. Um der Vielfalt adäquat zu begegnen, können im Spannungsfeld zwischen Verschiedenheit und Gemeinsamkeit Möglichkeiten spielend verhandelt und dabei individuelle Grenzen überschritten werden. Die spielbasierten und kunstspartenübergreifenden Zugänge bringen Gestaltungsvorschläge hervor, die vom gestaltenden Individuum zum theatralen Gemeinschaftswerk führen.

Die SPIELEN-Karten unterstützen das direkte Anwenden mit konkreten Spiel- und Improvisationsformen und fördern die Spielkompetenz der spielenden Gruppe. Die THEMENASPEKTE machen das Nachdenken über die vielen Bereiche der theaterästhetischen Kunstvermittlung transparent. Ausgangspunkt sind Fragestellungen, die einen kreativen Prozess eröffnen, die die Zeichenhaftigkeit des Theaterspiels in den Fokus nehmen, und das Gestalten und Komponieren als Elemente variabler Transformationen verstehen. Fragen, die Antworten geben, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu hegen. Die REFLEXIONSIMPULSE auf transparentem Papier unterstützen eine forschende, partizipative und kreative Arbeitshaltung, die jeder theaterpädagogischen Tätigkeit zugrunde liegt.

 Das Lehr-und Lernmittel ist ab 21.12.2016 für Fr. 35.- beim Zentrum Theaterpädagogik der Pädagogischen Hochschule Luzern (PHLU) und bei der Beratungsstelle Theaterpädagogik der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) erhältlich. Zudem ist es online bestellbar unter www.ztp.phlu.ch.

 

Zukunftsraum

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Zunkunftstag beim ZTP

Mit so viel inspirierender Dynamik hat der Archivraum des ZTP wahrscheinlich nicht gerechnet. Aber es ist so: Manchmal verändern Zukunftstage nicht nur die Sicht auf die eigene Arbeit. Jedenfalls in unserem Falle. Denn Anna und Yael (beide aus einer 5. Klasse) haben uns mit ihren Ideen und Vorstellungen während des Zukunftstages  richtiggehend überrascht. Die Auswirkungen davon spiegeln sich in der Neugestaltung des eher vergessenen und selten benutzten Archiv-Raumes.

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Unsere zwei „Zunkunfts-Besucherinnen“ haben diesen gestern unter eigener Regie womöglich zum begehrtesten und anregendsten Beratungsraum gemacht; ist aus dem Raum doch eine Bühne geworden, auf der künftig Beratungsgespräche für theaterästhetische Projekte stattfinden werden.

Ästhetische Expedition 4 „Röhrenteenes“

 

blog_img_5991  RöhrenNetzWerk

Eingebettet in die Schultheatertage 2017 startete im August 2016 die vierte ästhetische Forschungswerkstatt. Die Spielenden sind Teilnehmer*innen einer Theaterwahlfachklasse (1.-3. ORST).

Im Zentrum des gemeinsamen Forschungsprozesses steht die theaterästhetische Auseinandersetzung mit der Ausgangslage NETZ. Wunsch und Ziel der Gruppe ist es, eine Bühnenproduktion zu entwickeln, ausgehend von ihren Vorstellungen, Ideen, Themen. In der praktischen Umsetzung bezieht sich die Theaterwerkstatt auf Erkenntnisse, welche aus den „ästhetischen Expeditionen I-III (2012-2016)“ hervorgegangen sind und verfolgt einen Prozess „vom gestaltenden Individuum zum theateralen Gemeinschaftswerk“ (vgl. ästhetische Expeditionen).

Als grundlegendes und weiterzuentwickelndes Element der Gestaltung wurde die Arbeit mit einem Material und Klebeband, diesmal mit dem Objekt „Röhre“

(in unterschiedlicher Form, Grösse, Beschaffenheit) initiiert.

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Ausgehend von dieser Auseinandersetzung wurden von den Spielenden in einer Phase des „Spiels mit Material“ überraschend vielfältige Zugänge

(musikalisches, räumliches, technisches, szenisches Gestalten) gewählt.

Die dadurch ausgelösten Experimente führten im anschliessenden Reflexionsgespräch unter Einbezug der leitenden Denkformel zu Diskussionen, durch welche die Spielenden selbst ihre Theaterverständnisse und Vorstellungen befragten und sich selbst als Kreierende und zugleich Forschende erlebten. Aus dieser Reflexionsrunde eröffnete sich zudem für die Spielleitung eine erste mögliche Fragerichtung, welche basieren auf Aspekten der Aktionsforschung in den Fokus genommen werden könnte. Dabei steht das Hinterfragen gewohnter Handlungs- und Reaktionsweisen im Vordergrund und lenkt den Fokus auf einen bewussten Unterbruch im Umgang mit den Zuschreibungen „richtig und falsch“.

 

verNETZen Luzerner Schultheatertage 2017

blog_img_5646  Prologveranstaltung vom 28.9.2016

Die erste Begegnung mit den 29. Luzerner Schultheatertagen 2017 ermöglichte 20 interessierten Lehrpersonen aus der ganzen Zentralschweiz, sich am Prolog (und Prolog light) in direkter Weise spielend und entdeckend mit dem Thema NETZ auseinanderzusetzen. Die erprobten Spielimpulse, Anregungen und die daraus entwickelten Ideen begünstigten eine experimentelle Herangehensweise. Dabei standen der Umgang mit unterschiedlichen Materialien sowie inhaltliche VerNETZungspunkte im Zentrum.

Aus dem praktischen Handeln liessen sich immer wieder Hinweise für die Umsetzung in der eigenen Schulpraxis ableiten und direkt mit dem eigenen Handeln und den persönlichen Spielerfahrungen verknüpfen. Dabei wurde beispielsweise deutlich, dass der spielende Zugang über ein Material (und Klebeband) in unmittelbarer Weise eine Atmosphäre des wertfreien und vertieften Gestaltens begünstigt und darüber hinaus hin zur Interaktion führt. Der Umgang mit dem Material zeigte auch unmittelbare Transformationsprozesse auf, welche im Sinne künstlerischer Vermittlungsarbeit nutzbar gemacht werden können. So wurde beispielsweise eine Spielerin, eingerollt in ein grünes Netz, zum Kopfsalat, während die weissen kleinen Fetzen eines feinen Netzstoffes als Schneckenkörner dienten und den Salat zu retten vermochten.

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In einem zweiten Teil wurden praktische Spielmodelle, Improvisationsideen und Planungshilfen in Verbindung mit dem praktisch Erprobten erläutert und im Kontext der jeweiligen Praxishintergründe gemeinsam befragt.

Abschliessend  wurde die Verbindung zum DISG (Dienststelle Soziales und Gesellschaft, Kt. Luzern) und dem Kinder-und Jugendleitbild des Kt. Luzern vorgestellt und Möglichkeiten aufgezeigt, wie die entstehenden Theaterarbeiten in den Kontext der Aktivitäten des DISG gestellt werden könnten.

 

NOX – WOLFSNÄCHTE

NOX – WOLFSNÄCHTE

Sternensaal Wohlen. Saisoneröffnung. Schulpremière des neuesten luki-ju Stückes mit Thomy Truttmann. Das ist eine vielversprechende Affiche. Und ich darf dabei sein. Es ist Freitag, 16. September. Der Sternensaal füllt sich mit Schulklassen. Auf der Bühne sind dunkel bemalte Stellwände so aufgestellt, dass der Eindruck eines Labyrinths entsteht. Geheimnisvolle Durchgänge und Durchblicke sind zu sehen. Dann ist nur noch ein Harass, vermutlich war da mal eine grosse Mostflasche drin, auf der Bühne.

«Mich kännt fascht niemmer. Wenn ihr i d Schuel gönd, legg ich mis Pyjama a.» Mit solchen Sätzen wird nach und nach klar, dass wir einen Nachtwächter der Securitas vor uns haben. Wenn dann die Profi-Taschenlampe ins Spiel kommt, taucht man vollends  in die Welt von Nachtwächter Lorenz ein.  Diese geheimnis- und spannungsvolle Welt Weiterlesen